LARP ist die Abkürzung für Live Action Role Playing (englisch für Liverollenspiel) und es eröffnet die Möglichkeit, einfach einmal selbst in die Rolle eines Fantasyhelden oder einer Bauernmagd im späten Mittelalter zu schlüpfen. Seit über 20 Jahren wird dieses Hobby aktiv in Deutschland betrieben. Auf sogenannten Cons (von engl. Convention = Zusammentreffen) haben die Veranstalter zum Teil außergewöhnliche Locations wie Burgen, Industrieanlagen mit aufwendigen Bauten, Dekoration, Technikeffekten und in die Geschichte eingeweihten festen Rollen (NSCs) in atemberaubende Spielwelten verwandelt. Hier kann man nun mit einer passenden Rolle ein von einem Organisationsteam entworfenes Abenteuer lösen, eine eigene Welt erforschen und nette Mitspieler kennenlernen.

Mittlerweile gibt es allein in Deutschland jährlich mehr als 600 öffentlich ausgeschriebenen Veranstaltungen mit Teilnehmerzahlen zwischen unter 20 und über 7000 Spielern. Die Zahl der aktiven Spieler liegt mit geschätzten 30.000 – 40.000 LARPern im europäischen Mittelfeld und zieht sich durch alle Alters- und Gesellschaftsgruppen. Neben den kreativen, handwerklichen und künstlerischen Möglichkeiten, die sich aus der Vorbereitung und der Betätigung im Liverollenspiel ergeben können (nähen, basteln, schreiben, schauspielern, organisieren, ...), liegt die Faszination von LARP sicherlich vor allem an dem eigentlichen Erlebnis. Man ist Teil einer spannenden Geschichte in der man durch eigene Handlungen den Ablauf bzw. den Ausgang des Spiels bestimmt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass im Umgang mit ungewöhnlichen und unerwarteten Situationen unter anderem auch Teamfähigkeit, Kommunikation und Lösungsfindung aktiv gefördert und gefordert werden. Nicht zuletzt deswegen nehmen in Dänemark mittlerweile jährlich ungefähr 100.000 Kinder und Jugendliche an öffentlich geförderten Liverollenspielen teil.

Beim LARP kann man nicht einfach zuschauen – man muss mitmachen!
Da vieles von der Faszination eines Liverollenspiels erst durch die Interaktion der einzelnen Mitspieler und die Geschichte transportiert wird, ist einer der ersten Schritte ins LARP, sich auf das Abenteuer einzulassen und die erdachte Spielwelt zu betreten.
Man bemerkt schnell, dass die Mitspieler sich als tolerant, geduldig und hilfsbereit herausstellen und der Spaß am gemeinsamen Spiel im Vordergrund steht.

Charakter
Du musst Dir überlegen, was für eine Rolle Du bei der Veranstaltung spielen möchtest. Überleg Dir etwas, was du mit entsprechender Kleidung umsetzen kannst und was Du Dir zutraust schauspielerisch umzusetzen. Sicherlich ist „Kunibert der tapfere Drachentöter„ nicht der Charakter der Wahl, wenn Du weder ein Polster-Schwert besitzt, noch nicht wirklich Ahnung vom Liverollenspiel oder den Hintergrundgeschichten hast. Da es um eigene Ideen und Phantasie geht, ist auch ein Charakter aus der Literatur oder Filmen ein schlechtes Vorbild. Niemand nimmt „Merlin, den Magier„ oder „Legolas, den Elfenkrieger„ ernst. Passender wäre es zum Beispiele erst einmal „Lukas, den Bauernjungen„, der gerade den elterlichen Hof verlassen hat, um die Welt zu entdecken, als Einstiegscharakter zu wählen.

Kleidung
Wie bei jedem Hobby gehört auch zum LARP die entsprechende Kleidung (Gewandung). Sie hilft Dir, Deine Rolle wie ein Schauspieler überzeugend zu spielen und Deinen Mitspielern zu vermitteln, welche Rolle du spielst. Zum Einstieg reicht eine einfach schwarze Stoffhose, Lederhose, ein Piratenhemd, eine einfach genähte Tunika, die mit einem Seil gebunden ist , schlichte Lederschuhe, ein Umhang ... Hier wird jeder bemerken, dass sein Kleiderschrank doch das ein oder andere beinhaltet oder sich leicht eine Kleinigkeit anfertigen lässt. Häufig kann man auch bei Veranstaltern nachfragen, ob sie Fundusgewandungen verleihen. Wenn Du auf einem Con (Veranstaltung) bist, kannst Du Dir dann einmal ein Bild von den unterschiedlichsten Gewandungen und Charakteren machen. Später gibt es die Möglichkeit in verschiedenen Läden unterschiedlichste Ausrüstungsgegenstände zu kaufen bis hin zu Rüstungen die einige tausend Euro kosten, oder Du nutzt die vielen unterschiedlichen Näh- und Bastel-Anleitungen im Internet.

Die erste LARP-Veranstaltung
Du hast Dir überlegt, welche Rolle Du spielen möchtest, und Du hast dir eine Gewandung für diese Rolle zugelegt. Jetzt musst Du Dir eine Veranstaltung heraussuchen. Hier gibt es im Internet verschiedene Kalender und Foren mit Veranstaltungen in ganz Deutschland. Auf der Homepage der Veranstalter kannst Du dann auch häufig noch mehr Informationen zur Veranstaltung finden und Dich genauer informieren. Zum Einstieg und „reinschnuppern„ eignet sich besonders gut ein Anfänger-Con, eine Tagesveranstaltung oder ein Tavernenabend. Selbstverständlich sind auch nahgelegene LARP-Vereine oder Spielergruppe bei den ersten Schritten ins Hobby behilflich und haben häufig ihre eigenen regelmäßigen Treffen, bei denen man persönlich alle Fragen beantwortet bekommt.

Mitspielen
Auch beim LARP gibt es Regeln und Regelbücher wie „Dragonsys„ und „Silbermond„. Diese können im Internet, in LARP-Läden oder in Buchhandlungen gekauft werden. Denn vor allem Fantasy-Fähigkeiten wie Magie und Heilung werden oft nur dadurch simuliert und geregelt. Am Anfang ist dies für Deinen ersten Charakter allerdings noch nicht so wichtig – denn Du hast sowieso noch keine „Erfahrungspunkte„, so dass Du auch fast keine dieser Fähigkeiten erwerben kannst. Andere Veranstalter spielen nach dem Grundsatz „Du kannst was Du darstellen kannst„ und kommen komplett ohne Regeln aus. Ab dem Moment, in dem das Spiel offiziell beginnt (ab dem sogenannten „Time-In„), liegt es bei Dir, wie Du reagierst und Dich in der Spielwelt zurechtfindest. Du kannst erst einmal mehr beobachten oder gleich beginnen Dich ins Spiel einzubringen. Mitspieler ansprechen, Dich ins Abenteuer stürzen und den Plot – die von den Veranstaltern erdachte Geschichte – lösen. Viel Spaß!

(Quelle des Textes: http://www.dlrv.eu/index.php?id=wasistlarp)